Vielleicht warst Du damals gar nicht schwierig. Vielleicht warst Du einfach jung und unsicher.

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Vielleicht erinnerst Du Dich heute mit gemischten Gefühlen an Deine Teenagerzeit: an Unsicherheit, Scham, das Gefühl, anders zu sein oder einfach nicht richtig dazuzugehören. Vielleicht denkst Du sogar, dass Du damals schwierig, zu empfindlich oder zu viel warst. Doch was, wenn Deine Teenagerzeit nicht nur eine schwierige Phase war, sondern eine Zeit, in der Du Dich selbst erst kennenlernen und Deinen Platz im Leben finden musstest?

In diesem Artikel geht es um die innere Teenagerin, alte Gefühle und einen neuen Blick auf Deine Jugend. Darum, wie wir unserer 15-jährigen Version heute mit mehr Verständnis begegnen können – und was von diesem jungen, neugierigen und lebenshungrigen Mädchen vielleicht noch immer in uns steckt.

Denn unsere Vergangenheit muss nicht verschwinden, damit wir heute frei und lebendig sein können. Vielleicht dürfen wir ihr einfach noch einmal begegnen.

Ein Blick zurück

Wenn Du heute an Deine Teenagerzeit zurückdenkst – wie würdest Du das Mädchen von damals beschreiben?

Vielleicht war sie schwierig.

Zu laut.
Zu empfindlich.
Zu aufmüpfig.
Zu kompliziert.
Zu wild.

Vielleicht gibt es Dinge, für die Du Dich bis heute schämst. Momente, in denen Du Dich selbst nicht verstanden hast. Dinge, die Du gesagt oder getan hast und heute lieber vergessen würdest. Entscheidungen, bei denen Du Dich fragst: Was sollte das denn?

Und vielleicht wolltest Du Deine Teenagerzeit einfach nur noch vergessen. War halt eine schwierige Phase & zum Glück ist sie vorbei.

Oh, ich kenne dieses Gefühl so gut.

Ich wollte diese Zeit lange nicht mehr anschauen

Auch ich habe meine innere Teenagerin lange nicht sehen wollen.

Ich dachte, diese Zeit liegt hinter mir. Sie ist vorbei. Haken dran, denn ich war erwachsen geworden. Ich hatte mein Leben aufgebaut, meinen Weg gefunden und viele Dinge verstanden.

Warum sollte ich mich noch einmal mit dem Mädchen beschäftigen, das ich damals war? Mit ihrer Scham über ihren Körper. Mit ihren Unsicherheiten. Mit ihrer Einsamkeit. Mit diesem total unangenehmen Gefühl, irgendwie anders zu sein und gleichzeitig dazugehören zu wollen.

Ich dachte lange, ich müsste diese Zeit einfach hinter mir lassen.

Heute sehe ich das anders. Denn ich war gar nicht schwierig. Ich war einfach jung und mitten dabei, herauszufinden, wer ich eigentlich bin.

Mädchen von hinten in der Natur

Was, wenn wir uns heute anders an unsere Vergangenheit erinnern?

Wenn wir erwachsen sind, betrachten wir unsere Vergangenheit mit dem Wissen, das wir heute haben.

Wir können Dinge einordnen, denn wir haben Erfahrungen gesammelt. Wir wissen vielleicht, dass manche Ängste unbegründet waren oder dass wir damals viel zu streng mit uns waren.

Aber unsere 15-jährige Version wusste das alles noch nicht. Sie musste es erst herausfinden.

Vielleicht wollte sie unbedingt dazugehören und gleichzeitig anders sein.

Vielleicht war sie verliebt und völlig überfordert mit ihren Gefühlen.

Vielleicht wollte sie ihren Weg finden und hatte Angst davor, was andere denken.

Vielleicht hat sie Grenzen getestet, sich selbst ausprobiert und manchmal über die Stränge geschlagen.

Vielleicht hat sie sich zurückgezogen, obwohl sie sich nach Nähe gesehnt hat.

Und vielleicht war sie nicht schwierig.

Vielleicht war sie einfach ein Mensch, der noch nicht wusste, wie man mit all dem umgeht.

Unter der Scham liegt oft noch so viel mehr

Wenn ich heute meiner inneren Teenagerin begegne, sehe ich nicht mehr nur das Mädchen, das unsicher war.

Ich sehe ihre Neugier, Lebenslust, Sehnsucht, Eigenständigkeit & ihre Wildheit.

Ich sehe das Mädchen, das mit dem Hund durch die Felder gelaufen ist. Das getanzt und gefeiert hat. Das manchmal vielleicht ein bisschen zu viel getrunken hat. Das unbedingt herausfinden wollte, wer es eigentlich ist.

Und genau jetzt kommen mir die Tränen.

Denn viel zu oft erzählen wir unsere Teenagergeschichte nur aus der Perspektive dessen, was wehgetan hat. Wir erinnern uns an die Peinlichkeiten, die Zurückweisung und die Momente, in denen wir uns falsch gefühlt haben.

Aber unsere Teenagerin war nicht nur das. Sie war auch voller Leben. Und vielleicht gibt es etwas von ihr, das heute wieder mit uns leben möchte.

Mädchen in Bewegung in der Natur

Du warst nicht zu viel

Vielleicht hast Du irgendwann gelernt:

Ich bin zu laut. Ich bin zu empfindlich. Ich bin zu kompliziert. Ich bin zu wild. Ich sollte mich lieber zurückhalten.

Vielleicht hast Du Dich angepasst und gelernt, besser zu funktionieren.

Und vielleicht ist trotzdem etwas in Dir geblieben.

Der Teil, der tanzen möchte. Der laut lachen möchte. Der neugierig ist. Der sich nach Freiheit sehnt. Der nicht immer vernünftig sein möchte. Der etwas erleben möchte.

Wir müssen dafür nicht zurück in unsere Teenagerzeit.

Wir sind heute nicht mehr 15.

Aber vielleicht können wir etwas von ihr wieder mitnehmen.

Deiner 15-jährigen Version heute begegnen

Ich mag die Vorstellung, meiner 15-jährigen Version heute gegenüberzusitzen. Gar nicht, weil ich sie analysieren will. Nicht, um ihr zu erklären, was sie alles falsch gemacht hat und auch nicht, um sie zu einer besseren Version von sich selbst zu machen.

Sondern einfach, um ihr zuzuhören.

Wie geht es Dir eigentlich?

Was war damals schwer für Dich?

Wovor hattest Du Angst?

Wonach hast Du Dich gesehnt?

Was hast Du gebraucht?

Und vielleicht noch eine andere Frage:

Was von Dir möchte heute wieder mit mir leben?

Vielleicht ist es Deine Neugier, Lust auf Musik, ein Bedürfnis nach Freiheit, die Fähigkeit, völlig albern zu sein, der Mut, Dinge auszuprobieren oder die Sehnsucht nach echter Verbindung.

Einfach dieses Gefühl: Ich will mein Leben wirklich erleben.

Wir müssen unsere Vergangenheit nicht wegmachen

Und das ist für mich das Wichtigste an der Begegnung mit meiner inneren Teenagerin:

Ich muss meine Vergangenheit nicht wegmachen. Ich muss gar nicht so tun, als wäre alles schön gewesen. Ich darf anerkennen, dass manches wehgetan hat. Dass ich mich geschämt habe. Dass ich einsam war. Dass ich mich manchmal nicht verstanden gefühlt habe.

Und gleichzeitig darf ich sehen, dass da noch so viel anderes war.

Denn wir sind nicht nur das, was uns passiert ist.

Wir müssen auch nicht erst alles in uns aufräumen, bevor wir wieder anfangen dürfen zu leben.

Wir dürfen fühlen.

Wir dürfen verstehen.

Wir dürfen uns selbst begegnen.

Und dann dürfen wir weitergehen.

Vielleicht sogar springen.

Füße im Meer

Und dann springen wir ins Meer.

Bei meinem ersten Workshop zum Thema innere Teenagerin ist genau daraus eine Meditation entstanden.

Wir haben unsere inneren Teenagerinnen am Meer getroffen.

Wir haben ihnen zugehört und sie gehalten. Wir waren mit all dem Schmerz, der damals vielleicht keinen Raum hatte.

Und dann kam plötzlich dieser Impuls:

Lasst uns ins Meer springen.

Mit unseren inneren Teenagerinnen. Denn da ist noch mehr. Da ist Wildheit, Neugier, Ausgelassenheit, Freiheit, Lebendigkeit und Lebenslust.

Und genau das ist meine Einladung:

Nicht weg von Deiner Geschichte, sondern mit ihr weiterleben.

Vielleicht warst Du damals gar nicht schwierig. Vielleicht warst Du einfach jung.

Und heute kannst Du auf dieses Mädchen zurückschauen und sagen:

Ich sehe Dich.

Ich verstehe Dich ein bisschen besser.

Und Du darfst mitkommen.

Denn Du bist nicht mehr 15. Du bist die Frau, die aus diesem Mädchen geworden ist.

Und ziemlich sicher wartet irgendwo in Dir noch immer diese wilde, neugierige, lebenshungrige Seite. Und zwar nicht darauf, gerettet zu werden. Sondern darauf, wieder mit Dir zu leben.

Und dann springen wir ins Meer.

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